Katzen und Milch


Autor: Michael Grimm (katzen-und-milch@odo.in-berlin.de)
Version: 1.0
Letzte Revision: 19.11.2002
Originalfassung: http://www.odo.in-berlin.de/katzen-und-milch.html

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Dieser Text ist entstanden, da die Sache mit der "Katzen und Milch" in der Newsgruppe de.rec.tiere.katzen häufig thematisiert wird und es hierbei immer wieder zu Mißverständnissen kommt.

Lactase und Lactose

Viele Katzen reagieren auf Milch mit Durchfall, da sie den Milchzucker (Lactose) nicht verstoffwechseln können, da ihnen das dazu notwendige Enzym (Lactase) fehlt.

Die Lactase ist ein substratinduziertes Enzym, oder auch ein adaptives Enzym, da es nur dann vom Organismus gebildet wird, wenn es benötigt wird [1]. Es wird also so lange Lactose von Lactase verstoffwechselt, solange die Lactose zugeführt wird.

Das hat man schon zu Beginn letzten Jahrhunderts in E. coli-Bakterien nachweisen können. Sie produzieren das Enzym Lactase nur dann, wenn das Substrat Lactose auch vorhanden ist. Sobald man den Bakterien die Lactose vorenthielt, wurde die Produktion von Lactase auf ein Minimum heruntergefahren. Dieser Mechanismus ist reversibel, d.h., wenn man den bezüglich Lactose "schlafengelegten" Bakterien erneut Lactose zuführte, dann wurde wiederum eine erhöhte Lactaseproduktion beobachtet [2].

Solche Regelkreise bezüglich Enzyme gibt es viele, denn es macht ja keinen Sinn, daß ein Organismus alle Enzyme wie ein Weltmeister produziert, ohne sie auch wirklich zu benötigen. Bei der Milch ist das auch einleuchtend, denn Muttermilch gibt es bei Säugetieren eigentlich nur zur Aufzucht von Babys. Wenn diese ein gewisses Alter erreicht haben, werden sie auf ihre normale Nahrung umgestellt, die dann immer ohne Milch auskommt.

Also macht es auch keinen Sinn, das Lactaseenzym danach zu produzieren. Da aber der Mensch die Milch auch in späteren Lebensabschnitten als Nahrungsmittel entdeckte, und diese auch seinen Haustieren anbietet, gibt es die bekannten Probleme mit Unverträglichkeiten.

Wenn man also sein Tier von Anfang an an Milch gewöhnt hat, dann wird es auch keine Probleme haben (Bsp.: Bauernhofkatzen), hat es nach dem Abstillen lange keine Milch mehr zu sich genommen, wird es anfänglich mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen haben. Und es gibt durchaus auch Fälle, wo diese Reversibilität nie klappt.

Es gibt allerdings auch Milch-Unverträglichkeiten, die auf Allergien zurückgeführt werden, und es gibt angeborene Gendefekte, die schon beim Welpen zu sofortiger Unverträglichkeit der Muttermilch führen. Dieser Gendefekt ist unveränderlich, Gott sei Dank aber recht selten im Vergleich zur oben ausgeführten erworbenen Unverträglichkeit.

[1] Das findet man in jedem guten Biochemiebuch, bspw. in dem ausgezeichneten D.Voet, J.G.Voet, Biochemie, VCH-Verlag, Weinheim 1994
[2] M. Cohn, Bacteriol. Rev. 21, 156 (1956)

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